Okay Ulli, laß mich den "Mürkelfehring" etwas erklären :
Erstens bin ich kein Fan von diesem unangebrachten Personenkult der bei der aktuellen deutschen Politikergeneration fast immer nur vom mangelnden Programm ablenken soll und Persönlichkeiten eh in fast allen Fällen nur vortäuscht.
Zudem sind die aktuellen Vorzeigegestalten austauschbar, solange das nur schön geräuschlos erfolgt merkt das sogar kaum jemand
Zweitens bin ich absolut kein Freund einer Großen Koalition, ich halte es schon für schlimm genug wenn die punktuell de facto zustandekommen muß wie bei den Hartz-Reformen - das ist nämlich immer nur ein dünner Minimalkonsens der letzten Endes nix wirklich voranbringt.
Eine Bundesregierung mit einer theoretischen 70%plusX-Mehrheit aber ohne solide politische Programmatik und den Willen zu Veränderungen ist aus meiner Sicht das Schlimmste was als Ergebnis der letzten Bundestagswahl passieren konnte. Eine deutlich klarere Variante wäre es gewesen wenigstens den Versuch einer Regierungsbildung auf der Basis einer Koalition ohne eine bequeme parlamentarische Mehrheit im Rücken zu machen. Wer sagt denn daß man Deutschland nicht auch mit einer Minderheitskoalition regieren kann ? Angesichts der Verhältnisse im Parlament wäre das sehr wohl möglich gewesen, bedingt dann aber daß man imstande ist seine Politik von Fall zu Fall auch zu erklären und sich zu den wichtigsten Entscheidungen eben Mehrheiten zu erkämpfen - oder eben nicht. Letzten Endes ist es ein Zeichen der Unfähigkeit der beiden großen Parteien in diesem Bereich daß sie es nicht einmal mehr versuchen. Durchgesetzt hat sich da eine beamtete Rundum-sorglos-Versichertenmentalität - bloß nix riskieren
Natürlich ist das in erster Linie eine Schwäche der Sozialdemokraten die von einer wirklich breiten politischen Sympathie vor allem in ihrer früheren Basis weiter entfernt sind als jemals zuvor. Die Union hat der SPD dabei aber nicht wirklich etwas voraus, ihr fehlt ebenso die Fähigkeit auch nur ihre Stammwähler wirklich zu begeistern. Insoweit bewerte ich diese Große Koalition als eine grade mal zahlenmäsig starke aber politisch schwache Koalition in der sich die beiden de facto dicksten Wahlverlierer gegenseitig stützen und zusammentun
mußten um mehr oder weniger so weiter zu wurschteln wie vorher. Die Resultate werden leider dementsprechend ausfallen fürchte ich und das hat Deutschland nicht verdient.
Es ist keine Schande wenn man seine politischen Überzeugungen in einer Demokratie nicht durchfechten kann - es nicht einmal zu versuchen aber sehr wohl.
homer