"Ich akzeptiere nicht, daß erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird. Es darf nicht sein, daß die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen." — der Rächer der Enterbten
Ulli hat geschrieben: Nichts desto trotz, Stoiber hat mit seinen Aussagen doch völlig recht.
Völlig recht würde ich nicht sagen. Sicherlich hat er recht damit, daß die Menschen in den neuen deutschen Bundesländern mit ihren Stimmen wahlentscheidend sind. Das war so bei Helmut Kohl, der sie mit seinen "blühenden Landschaften" 1990 geleimt hat und das war so bei Schröder, der 2002 als Regierungschef während der Hochwasserkrise Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit gezeigt hat.
Dann wird das wohl auch 2005 so sein.
Vielleicht sollte sich Stoiber sich aber einmal überlegen, wie lange wir Nordlichter uns schon das unerträglich überhebliche Gebahren der bayrischen CSU gefallen lassen müssen, die durch die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU schon seit Jahrzehnten weitaus mehr Macht im Bund ausübt als es der Regierung eines einzelnen Bundeslandes (zudem des Landes, das 1949 gegen das Grundgesetz gestimmt hat) zukommt. Seit Jahrzehnten bestimmen radikale Minderheiten wie CSU, FDP und Grüne (oh wären sie doch noch radikal!), welche der großen Parteien an der Macht ist. Aber jetzt, wo diese Rolle zum ersten Mal einer vorrangig ostdeutschen Partei zukommen wird, "akzeptiert" der Herr Stoiber das nicht mehr. Feines Demokratieverständnis da unten in Bayern.
Ulli hat geschrieben: 2002 haben hochwassergeschädigte Ossis, die ihre zum grossen Teil schon vorher maroden Häuser auf Staatskosten >gesundsaniert< haben, aus Dankbarkeit für Schröders Wahlsieg gesorgt.
Du operierst genau wie dein Freund Ede mit billigen Vorurteilen. Aber das kann ich auch: die, die sich "drüben" saniert haben, waren wohl eher die Heuschrecken aus dem Westen. Während Schröder, und sei es aus Eigennutz wegen der anstehenden Wahl, tatsächlich etwas dafür getan hat, daß Osten und Westen zusammenwachsen, treibt Stoiber aus Rachsucht über seine verlorene Kanzlerwahl neue Keile zwischen Ost und West. Und Öttinger und die anderen Rechtsausleger in der CDU machen kräftig mit. Ob das Deutschland wirklich voranbringt? Dürfen wir solchen Leuten unsere Zukunft anvertrauen?
Ulli hat geschrieben:Stoiber hat sich also tatsächlich im Ton vergriffen. Nicht die Frustrierten, sondern die Dankbaren, die Schröders Grosszügigkeit in Zeiten des Wahlkampfs auch noch auszunutzen wussten, haben die Bundestagswahl 2002 entschieden.
Dann hat er sich also nicht im Ton vergriffen, sondern in der Formulierung! Welcher Gehirnamputierte schreibt dem Ede denn dann die Wahlkampfreden?
Der Ton war, wie jetzt auch beschwichtigend aus der Union zu hören ist, schon ganz angemessen, denn es handelte sich ja um eine bayrische Wahlkampfveranstaltung.
Ich denke, es ist mal wieder an der Zeit, die alte Konstantin Wecker-Schallplatte abzuspielen und sich zu erinnern, daß bayrisch auch eine schöne Sprache sein kann und daß es dort nicht nur die CSU gibt:
"(...) bis der Depp an unsern Tisch kumma is mit seim Dreikantschlüsselkopf, kloa, schwammig und braun. Und dann hat a uns gfragt, ob ma beim Bund gwesen san, na ja, des habn ma ja noch ganz lustig gfunden, und daß a so froh wär, daß jetzt wieder Ordnung kummt in die rote Staatssauce, und die Jugend werd ja aa wieder ganz vernünftig, und die Bayern wissens as eh scho lang, wos lang geht politisch, Willy, i hab gnau gwußt, des haltst du ned lang aus, und dann hat a plötzlich as Singa ogfanga, so was vom Horst Wessel. Hinten an de andern Tisch habns scho leise mitgsummt, und dei Birn is ogschwolln, und plötzlich springst auf und plärrst:
Halts Mei, Faschist!"
http://www.wecker.de/lieder.html
"die Bayern wissens as eh scho lang, wos lang geht politisch": München war halt schon immer die Hauptstadt der Bewegung, schon 1923.
Ulli hat geschrieben:Wiederholen wird sich dieser einmalige Vorgang nicht !
Einmalig ist schon wieder falsch, denn Kohl wäre schon 1990 ohne die Wiedervereinigung wahrscheinlich weg vom Fenster gewesen. Daß er 1994 noch einmal gewinnen konnte, lag wohl eher an seinem schwachen Gegenkandidaten Scharping (von Kabarettisten damals auch "Freund Teppichfliese" genannt).
Verännern mutt sien, sä de Düvel, do streek he sien Steert gröön an.
"In der Lebenswelt gibt es drei Kategorien, das Essbare, das Kopulierbare und das Gefährliche"
"Mir gefällt Ihr Benehmen nicht."
"Macht nichts. Ich verkauf's ja nicht."