Otto hat geschrieben:Aber dein Einwand hebelt mein Argument nicht aus, die Umsätze sind wegen zu vieler Mietwagen, die permanent gegen Gesetze verstoßen, zu gering.
Die Umsätze sind wie gesagt nicht das Problem. Lies das Gutachten nochmal genau durch.
Und wieso sollten die Autos für Zersplitterung verantwortlich sein (die der Semiprofessionellen sind übrigens noch älter)? Ist es nicht eher der Eigensinn der Unternehmer? Es sind ja nicht wenige Versuche in den letzten Jahrzehnten gescheitert, diesen strukturellen Defiziten abzuhelfen. Alle erfolglos.
Das erinnert mich an die Zeit, wo der Luftibus entstand. Damals fragte ich ein paar Fahrer, ob sie sich vorstellen könnten, daß das Taxigewerbe sowas auf die Beine stellen könnte. Antwort: Ich gebe doch meine Fahrten nach Bremen nicht auf. Folge: Jemand anders übernahm den Job und am Ende brauchte keiner mehr seine Fahrten mehr aufgeben, weil keine mehr übrig blieben.
Das Oldenburger Taxigewerbe leistet sich den unglaublichen Luxus, unter der Woche nachts mehrere Zentralen arbeiten zu lassen, die nur ein oder zwei Handvoll Fahrten vermitteln. Schonmal ausgerechnet, wieviel eine vermittelte Fahrt kostet? Und dann regen sich einige über das neue myTaxi-Kostenmodell auf? Lächerlich. Jede Zentrale muß in den flauen Zeiten Fahrzeuge vorhalten, die nicht annähernd ausgelastet sind. Und ständig fahren Taxen kreuz und quer aneinander vorbei, weil jeder für sich arbeitet. Was meinst du, von welchem Geld dieser wirtschaftliche Unfug bezahlt wird? Sind das nicht auch die Löhne der Fahrer? Und da sind wir offenbar an einem Punkt angelangt, wo es nicht weitergeht. So erkläre ich mir jedenfalls das schnell zunehmende Defizit der plausiblen (!) MWUs und Mietwagenunternehmen im Gutachten.
Wer den Fahrern für seinen Eigensinn noch mehr abknipsen will, muß damit rechnen, daß die Autos irgendwann eben stehen. Das wirtschaftliche Umfeld erlaubt es nicht, weniger zu zahlen. Sonst wandern die Fahrer trotz durchaus attraktiver Arbeitsbedingungen in Jobs ab, die normal bezahlt werden. Daß es immer schwieriger wird, an Aushilfsfahrer heranzukommen, spricht hier schon eine recht deutliche Sprache. Höhere Tarife allein sind keine Lösung für diese Probleme, wenn sie weiterhin in erster Linie dazu dienen, den fatalen Eigensinn er letzten Jahrzehnte weiter ausleben zu können.
Karteileiche hat geschrieben:mit anderen worten: illegale bereitstellung?
Klar, eine angemessene behördliche Aufsicht könnte da abhelfen. Nur was nützt das Stopfen dieses Loches, wenn das Geld weiter durch andere Löcher rieselt, die wir nicht zu stopfen gedenken? Keine Frage: Ich kann die bisherige Linie der Stadtverwaltung nicht so richtig nachvollziehen, zu Freiheit gehört eben auch Verantwortung. Und die vermisse ich. Aber ich habe Verständnis dafür, daß sie die "versteinerten Zustände" (so der Gutachter) nicht weiter fördern will und sich deshalb auf Konfrontationskurs zu den Alteingessenen begibt.