Das wirklich Neue an der Rede Merkels ist der Ton. Er entspricht weder dem staatsmännischen Aufruf Kennedys, noch der bemüht pathetischen Werbelyrik der Jung-von-Matt-Kampagne "Du bist Deutschland" mit ihren unfreiwillig komischen Bildern: "Schlag mit deinen Flügeln und reiß Bäume aus. Du bist die Flügel, du bist der Baum. Du bist Deutschland."
Nein, Angela Merkel bringt einen längst vergessen geglaubten Stil in die bundesdeutsche Politik: und zwar mit der offiziellen Sprache der DDR, in der sie einst sozialisiert wurde. Sie kann nicht anders. Und es ist fast ein Witz, dass 15 Jahre nach dem Ende der DDR deren Stil nun auf höchster Ebene munter fortlebt - unter vollkommen gewandelten Verhältnissen.
Schon, wie sich Angela Merkel an die Bürger wendet: "Was kann man alles in einem Jahr erreichen? Es ist eine ganze Menge! Wie wäre es, wenn wir uns heute Abend das Ziel setzen, im kommenden Jahr überall noch ein wenig mehr als bisher zu vollbringen?" Das klingt nach Lernkonferenz in der Pioniergruppe, aber auch - für die Großen - nach dem Honecker-Slogan: "Das Erreichte ist nicht das Erreichbare".
"Sie werden sehen", setzt Merkel fort, "wie viel Freude es macht, wenn man Schritt für Schritt voran geht. Das kann jeder von uns zu Hause, in der Familie, mit Kindern, in der Schule, am Arbeitsplatz, mit Kranken, mit Behinderten, mit bei uns lebenden Ausländern, in Vereinen, in Selbsthilfegruppen, in Bürgerinitiativen, in Kirchen und vielem mehr". Das erinnert sehr an den Stil, mit dem einst die DDR-Zeitungen propagierten, dass jeder an seinem Platz etwas für die Gesellschaft tun könne: in der Schule, Betrieb, im Kollektiv, in der Neuererbewegung oder im Wohngebiet beim Kampf um die "Goldene Hausnummer".
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Arbeite mit, plane mit, regiere mit
Mit ihrer Neujahrsansprache brachte Angela Merkel den vertrauten DDR-Ton in die Bundespolitik.
Von Torsten Harmsen (Dienstag, 03. Januar 2006)
http://www.berlinonline.de/berliner-zei ... 14428.html
So leicht kann eben niemand aus seiner Haut!
Verännern mutt sien, sä de Düvel, do streek he sien Steert gröön an.
"In der Lebenswelt gibt es drei Kategorien, das Essbare, das Kopulierbare und das Gefährliche"
"Mir gefällt Ihr Benehmen nicht."
"Macht nichts. Ich verkauf's ja nicht."