Buch-Rätsel Nr. 2

Ortskenntnisprüfung mal anders
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761-167
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Buch-Rätsel Nr. 2

Beitrag von 761-167 »

Da Freund Otto die Lösung des ersten Rätsels ja wie befürchtet blitzartig im Ärmel hatte
und wir uns da insgesamt dem Ende nähern dürften, zünde ich schonmal Rätseltreibsatz Nummer 2.

Vorab möchte ich nochmal dezent an die Spielregeln erinnern -
über eine Eingrenzung z.B. von Handlung, Zeit und Ort dürfte es für alle/viele
leichter werden sich an die Lösung heranzuarbeiten.
Wenn jemand die Komplettlösung hat, dann wär`s nett die erstmal per PN
an mich zu schicken...und die anderen noch ein büschen suchen zu lassen :wink:

Die Hauptfrage hier ist :
Wer ist/sind die Autor(en), wie lautet der Buchtitel ?

Zum Erkennen oder logischen Erschliessen und Herantasten werden kleine Ausschnitte des Werks vorgestellt.
Zusätzlich können und sollten natürlich Fragen gestellt und soweit möglich beantwortet werden.
Damit die Lösungen nicht allzu einfach ergoogelt werden können muss ich
allerdings alle die Eigen- und Ortsnamen weglassen.
Praktisch steht in den Textausschnitten dann also X, Y, Z für Personennamen
und z.B. (Ortsname) statt „Oldenburg“ oder (Internetforum) statt „DerInnenspiegel“…
(X), (Y), (Z) usw. beziehen sich nur auf das jeweilige Texthäppchen, nicht das ganze Buch !

Über die Hauptlösung (Name des Buches, Name des/der Autoren) hinaus
könnten wir uns mit der Lösung von Zwischenaufgaben herantasten.

Zwischenaufgaben/untergeordnete Nebenfragen sollen hier zunächst sein :
Wo spielt die Geschichte ? In welchem Land, welcher Region ?
Wann, d.h. zu welcher Zeit ungefähr spielt die Geschichte ?
Was sind grob die wesentlichen Handlungen, was ist das Hauptthema ?


Zur besseren Unterscheidung haben die Zitathäppchen jetzt auch jeweils einen "Namen"
bzw. eine Überschrift bekommen.

Okay, nun also zum Buchrätsel Nr. 2 :

Das erste Häppchen - "Taxis" :
??? hat geschrieben:Ich bin kein Kenner von Automarken. Meinetwegen könnte man alle Autos
der Welt durch eine hydraulische Presse jagen, sie aus der Stratosphäre
rausdrücken und in Umlaufbahnen um den Mars schicken.
Ausgenommen natürlich die Taxis, die zur Verfügung stehen müssen,
wenn ich sie brauche.
Das zweite Häppchen - "Früher Morgen"
??? hat geschrieben:Ein wissenschaftstheoretischer Standpunkt besagt, dass man genaugenommen
nur die Existenz des selbst Erfahrenen als sicher betrachten kann.
Folglich kann es nur sehr wenige Leute geben, die sicher sind, dass der
(Wegename am Stadtrand) um fünf Uhr morgens existiert. Jedenfalls sind die
Fenster dunkel und leer, die Strassen sind leer, und die Linie 2 ist, bis auf den
Fahrer und mich, ebenfalls leer.
Fünf Uhr morgens, das hat etwas Besonderes. Als ob der Schlaf dann seinen
Tiefpunkt erreichen würde. Die Parabel der REM-Zyklen kehrt sich um und hievt
den Schlafenden zu der Erkenntnis empor, dass es so nicht weitergeht.
Die Menschen sind zu diesem Zeitpunkt ungeschützt wie Säuglinge. Da jagen die
grossen Raubtiere, und die Polizei treibt bei säumigen Zahlern die Knöllchen ein.
Und wiederum viel Spass & viel Erfolg !
Eddy

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minol
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Re: Buch-Rätsel Nr. 2

Beitrag von minol »

761-167 hat geschrieben:Ein wissenschaftstheoretischer Standpunkt besagt, dass man genaugenommen
nur die Existenz des selbst Erfahrenen als sicher betrachten kann.
Folglich kann es nur sehr wenige Leute geben, die sicher sind, dass der
(Wegename am Stadtrand) um fünf Uhr morgens existiert.
Solche Formulierungen Diskussionen erinnern mich zwar an "den Anhalter" von D. Adams, aber ich wieder eher das Gefühl, daß es um Verbrechensaufklärung geht und frage, ob es sich um einen Krimi handelt.

Viele Grüße
Michael
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761-167
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Beitrag von 761-167 »

Es handelt sich um einen bekannten Roman, ich persönlich würde ihn noch eindeutig in die Schublade "Krimi"
einsortieren, vielleicht sehen das allerdings nicht alle ganz so wie ich.

Am Beginn der Handlung steht auf jeden Fall ein nicht zweifelsfrei geklärter Todesfall.
Ein guter Teil der späteren Handlung entspricht dann allerdings nicht mehr so ganz dem "normalen" Krimi.
Aber was ist schon normal ? Ich bin`s ja auch sicher nicht :wink:
Hoffe ich jedenfalls...
Eddy

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Big M
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Beitrag von Big M »

Der Autor heißt aber nicht Pynchon??
Geh ich da sicher in meiner Annahme?
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761-167
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Beitrag von 761-167 »

Korrekt, der Autor heisst ganz und gar nicht Pynchon :wink:
Eddy

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Beitrag von 761-167 »

So, hier das dritte Häppchen "Frikadellen" :
??? hat geschrieben:„Macht Ihre Mutter Frikadellen ?“
Er nickt.
„Gute Frikadellen ? So richtig knusprig ?“
Er wird rot. Er möchte gern protestieren. Gern ernst genommen werden.
Gern seine Autorität behaupten. Wie (Landesname). Mit blauen Augen,
roten Wangen und reellen Absichten. Doch um ihn herum sind die grossen
Kräfte der Welt am Werk, das Geld, die Entwicklung, der Missbrauch, der
Zusammenstoss zwischen der neuen und der alten Welt. Und er hat nicht
begriffen, was da vor sich geht. Dass man ihn nur duldet, solange er mit
dem Strom schwimmt. Und das seine Phantasie gerade dazu ausreicht.
Mit dem Strom zu schwimmen.
Um dagegenzuhalten, braucht es ganz andere Talente. Sehr viel
handgreiflichere, sehr viel klarsichtigere. Sehr viel verbittertere.
Und gleich der Happen Nummer vier - "Beim Pathologen" :
??? hat geschrieben:Ich habe nie behauptet, ich sei vollkommen. Vor Menschen, die Macht haben,
sie geniessen und ausnutzen, werde ich ein anderer, minderwertigerer und
schlechterer Mensch.
Aber ich zeige es nicht. Ich setze mich auf die Stuhlkante und lege die dunklen
Handschuhe und den Hut mit dem dunklen Schleier an den Rand der
Mahagoniplatte. (Der Professor) hat, wie so oft, eine schwarze, trauernde,
fragende, unsichere Frau vor sich.
…..
„Hat es Spuren von Gewaltanwendung gegeben ?“
Ich überrasche ihn nicht. In seinem Alter und seinem Beruf lässt man sich nicht
so leicht überraschen.
„Nicht die geringste“, sagt er.
Ich bleibe ganz still sitzen. Es ist immer interessant, Europäer der Stille zu
überlassen. Für sie ist sie eine Leere, in der die Spannung steigt und ins
Unerträgliche wächst.
„Wie sind sie denn auf die Idee gekommen ?“
Da es heute ja nicht allzu schwer fällt auf die vielen vielen Fragen :roll:
zu antworten, antworte ich einfach mal auf wolli`s Standardfrage,
in vorauseilendem Gehorsam sozusagen :)
Der Roman spielt gegen Ende des letzten Jahrhunderts und er spielt
ganz eindeutig auf der nördlichen Hälfte der Oberfläche unseres Planeten...
Eddy

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wolli
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Beitrag von wolli »

761-167 hat geschrieben: Da es heute ja nicht allzu schwer fällt auf die vielen vielen Fragen :roll:
zu antworten, antworte ich einfach mal auf wolli`s Standardfrage,
in vorauseilendem Gehorsam sozusagen :)
wenn du mir damit etwa Otto-ähnliche belesenheit unterstellst, liegst du leider völlig falsch, Eddy! :oops: :(
seid nett zu einander!
down under
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761-167
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Beitrag von 761-167 »

Es ging nur um die schon gewohnte Einkreisungs-Taktik,
so im Sinne von "nördlich vom Stau ?" oderso... :lol:

Und wie Du weisst, liegst Du bei mir mit "nördlich" meist nicht ganz falsch :wink:

Allzu umfassende Belesenheit braucht`s auch bei diesem Buch sicher nicht wirklich,
es ist auf jeden Fall in Deutschland alles andere als unbekannt...
Vielleicht nicht ganz so einfach wie das Erkennen des Hannibal-Lector-Themas,
aber allzu einfach wäre ja dann auch schon wieder langweilig, oder ?
Eddy

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Big M
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Beitrag von Big M »

ich hab kein blassen schimmer :oops:
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minol
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Beitrag von minol »

Hallo,

Gute Idee, es einzukreiseln - daher meine Fragen:

1. Befindet sich die Wohnung der Hauptfigur nördlich des Stautor-Kreisels
(sagen wir mal nördlich von Oldenburg (Oldb))?

2. Ist die Hauptfigur weiblich?

3. Ist der Autor männlich?

Ich bin gespannt auf die Antworten...

Viele Grüße
vom Lesemuffel
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761-167
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Beitrag von 761-167 »

minol hat geschrieben:Ich bin gespannt auf die Antworten...
:D :D :D
Null Problemo, die Antworten auf die Fragen gibt`s umgehend :

Der Autor ist männlich,
die Hauptperson ist weiblich
und ihre Wohnung liegt eindeutig nördlich von Oldenburg
-
und zwar egal welches Oldenburg wir nehmen :wink: :P

Und für alle Lese- und sonstigen Muffel sind hier auch gleich die
beiden nächsten Texthäppchen -

Nummer 5 - "Alkohol"
??? hat geschrieben:Man sagt, in (Land) wird viel getrunken. Das ist eine vollkommen unsinnige
Untertreibung. Es wird kolossal getrunken. Deshalb habe ich auch dieses
spezielle Verhältnis zum Alkohol. Wenn ich Lust auf etwas Stärkeres als
Kräutertee kriege, denke ich immer daran, was der freiwilligen Alkoholrationierung
in (Stadt) vorausging.
und Nummer 6 - "Unverletzlichkeit der Wohnung"
??? hat geschrieben:Die eigenen vier Wände der Leute muss man respektieren. Vor allem, wenn ihr
Leben ansonsten blossliegt wie eine offene Wunde. Doch jetzt treibt mich das
dringliche Gefühl, eine Aufgabe zu haben, ich spüre, dass irgend jemand etwas
übersehen hat.
Ich stöbere also herum, und (X) lässt mich machen, was ich will. Erstens hat sie
ihren Apfelwein aus dem Supermarkt, und zweitens bezieht sie schon so lange
Sozialhilfe und liegt schon so ewig unter dem Elektronenmikroskop der Behörden,
dass sie sich schon gar nicht mehr vorstellen kann, dass man etwas ganz für sich
haben kann.
Eddy

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761-167
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Beitrag von 761-167 »

Doppelposting durch schlechte Internetverbindung, sorry.
Wenn`s jemand löschen kann, bitte wech damit :wink:
Zuletzt geändert von 761-167 am 30.07.2007, 19:07, insgesamt 1-mal geändert.
Eddy

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761-167
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Beitrag von 761-167 »

TILT, schlechte Verbindung, Dreifachposting, grrrr :x
(Wer`s kann : bitte löschen !)
Eddy

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minol
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Beitrag von minol »

Hallo,
Hmm... mir drängt sich da plötzlich eine Ahnung auf. Ich riskiere es jetzt, mich bis auf die
Knochen zu blamieren, aber die Alternative wäre, mir jetzt zwei Stunden Hörspiel
reinzupfeiffen, um meine Ahnung zu überprüfen. Also wage ich es jetzt zu fragen,
ob es Smillas Gespür für Schnee sein könnte? :?

Michael
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Otto
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Beitrag von Otto »

minol hat geschrieben:Also wage ich es jetzt zu fragen,
ob es Smillas Gespür für Schnee sein könnte? :?
Michael
In eine ähnliche Richtung denke ich auch.

Heisst der Autor Henning Mankell?
Verännern mutt sien, sä de Düvel, do streek he sien Steert gröön an.

"In der Lebenswelt gibt es drei Kategorien, das Essbare, das Kopulierbare und das Gefährliche"

"Mir gefällt Ihr Benehmen nicht."
"Macht nichts. Ich verkauf's ja nicht."
minol
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Beitrag von minol »

Otto hat geschrieben:Heisst der Autor Henning Mankell?
Ah, hat der nicht die Wallander-Krimis gemacht?
Mich erinnert das an Kommissar Beck. Den kenne ich als Hörspiel und als Film -
die Filme finde ich wirklich klasse, sie gehen irgendwie unter die Haut. Die Hörspiele
mag ich vom Beck nicht so.

Viele Grüße
Michael
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761-167
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Beitrag von 761-167 »

minol hat geschrieben: Also wage ich es jetzt zu fragen,
ob es Smillas Gespür für Schnee sein könnte? :?
Auch wenn der Kollege von der volkseigenen Kraft- und Schmierstoffversorgung (schöner Name ! :) )
da ja leider schon ein wenig voreilig mit der Lösung der Hauptaufgabe herausgeplatzt ist :oops:
gilt natürlich : Ehre wem Ehre gebührt - das war die korrekte Lösung :wink: :D

Selbstverständlich war das aus "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" von Peter H­øeg -
die deutsche Übersetzung des dänischen Romans "Frøken Smillas fornemmelse for sne" aus 1992.

Die Geschichte spielt teils in Kopenhagen, teils in Grönland bzw. auf dem Seeweg dahin
(und eine kleine Nebenepisode im von alliierten Truppen besetzten Nachkriegs-Hamburg).

Die Wikipedia fasst die Handlung sehr treffend so zusammen :
Die Hauptperson ist Smilla Jaspersen, die Tochter einer Inuit und eines dänischen Arztes.
Die arbeitslose Wissenschaftlerin lebt in Kopenhagen, wo sie nur sehr schwer mit der
europäischen Kultur zurechtkommt. Als ein Inuit-Junge in ihrem Wohnblock vom Dach
stürzt und stirbt, erkennt sie als einzige Person, dass dieser Sturz kein Unglück, sondern ein
Verbrechen war. Getrieben von ihrer Trauer begibt sie sich auf die Suche nach Beweismaterial
und gerät dabei immer wieder in Gefahr. Der Roman ist in drei Teile: "die Stadt", "das Meer"
und "das Eis" gegliedert und wird aus der Perspektive von Smilla Jaspersen erzählt.
Smilla Jaspersen selbst interessiert sich vornehmlich für die Spuren im Schnee, eine Eigenschaft,
der auch der Titel Rechnung trägt.
Das Buch hat neben den privaten, kriminalistischen, Ermittlungen Smillas eine weitere Ebene:
In ihren Kindheitserinnerungen wird geschildert, wie das Volk der Inuit unter den Dänen
als Kolonialmacht unterdrückt worden ist.
Fräulein Smilla erzählt, wie tief sie in der Kultur der Inuit verwurzelt ist.

Das Buch wurde von der internationalen Kritik hoch gelobt und avancierte zum Bestseller.
Folgerichtig wurde es 1997 von Bille August mit Julia Ormond, Gabriel Byrne, Tom Wilkinson,
Jim Broadbent, Richard Harris, Mario Adorf und Jürgen Vogel als "Fräulein Smillas Gespür für Schnee"
verfilmt, wobei manche Kritiker (und ich auch) die psychologische Tiefe der Vorlage vermissten.

ISBN Deutsch von Monika Wesemann. Verlag Rowohlt Taschenbuch (2004) 515 Seiten.
ISBN 3499237016 bzw. ISBN 3446176837


Es war also nicht Henning Mankell und hat noch weniger mit Kommissar Beck zu tun :)

Peter Høeg ist ein vielfach ausgezeichneter dänischer Autor
:arrow: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_H%C3%B8eg


Das Buch selbst gehört seit ich es kenne zu meinen Lieblingsromanen, daran ist natürlich nicht zuletzt
die so vielschichtige und sicher nicht unkomplizierte Person Smilla schuld,
von der ich Euch wenigstens noch ein paar weitere Zitate mitgeben möchte :
Peter Høeg/<Smilla> hat geschrieben:Messer
Die Messer, die ich in der Wohnung habe, sind gerade noch so gefährlich,
dass man damit Briefe öffnen kann. Eine Scheibe grobes Brot zu schneiden
geht bereits über ihre Leistungsfähigkeit. Für mich brauchen sie auch nicht
schlimmer zu sein. An schlechten Tagen verfalle ich sonst leicht auf den
Gedanken, dass man sich ja jederzeit im Bad vor den Spiegel stellen und
sich die Kehle durchschneiden kann. Bei solchen Gelegenheiten ist es ganz
angenehm, wenn man die zusätzliche Sicherheit hat, dass man sich beim
Nachbarn erst ein ordentliches Messer ausleihen muss.

Überwachung
Ich lassen mich nicht gern überwachen. Ich hasse Stempelkarten und
Gleitzeit. Auf vernetzte Register reagiere ich allergisch. Ich verabscheue
Passkontrollen und Geburtsscheine, Schulpflicht, Auskunftspflicht,
Versorgerpflicht, Ersatzpflicht, Schweigepflicht, dieses ganze schwammige
Ungeheuer staatlicher Kontrollmassnahmen und Forderungen, die einem
auf den Kopf fallen, wenn man nach Dänemark kommt, und die ich im
Alltag aus meinem Bewusstsein wische, die sich aber jederzeit wieder vor
mir aufbauen und sich beispielsweise in einem kleinen schwarzen Telefon
materialisieren können.
Ich hasse es um so mehr, weil ich weiss, dass es auch eine Art schwarzer
Segen ist, dass der gesamte westliche Kontroll-, Archivierungs- und
Katalogisierungswahn auch als Hilfe gedacht ist.

Kolonisierung
Gefühle müssen klar fliessen, um sich nicht zu verwirren. Man kann so
weit kommen, dass man die Kolonisierung von Grönland mit reinem,
unverfälschtem Hass hasst. Das Problem ist nur, dass sie – weshalb immer
man sie auch verabscheut – unbestreitbar der materiellen Not des Lebens,
das das härteste der Welt war, abgeholfen hat.

Gewalt
Unter grossen Teilen der Bevölkerung hat sich das Missverständnis
breit gemacht, dass Gewalt immer nur dem physisch Starken zum Vorteil
gereicht. Das ist nicht richtig. Wie eine Schlägerei ausgeht, ist eine Frage
der Geschwindigkeit auf den ersten Metern. Als ich nach einem halben
Jahr Rugmarkschule in die Skovgårdsschule umgeschult wurde, begegnete ich
zum erstenmal der klassischen dänischen Verfolgung der >anderen<.
Dort, wo wir herkamen, waren wir allesamt Ausländer und im selben Boot gewesen.
In meiner neuen Klasse war ich die einzige mit schwarzen Haaren und unbeholfenem dänisch.
Besonders ein Junge aus einer höheren Klasse war wirklich äusserst brutal.
Ich bekam heraus, wo er wohnte. Dann stand ich früh auf und wartete auf ihn.
An der Stelle wo er über den Skovshovedvej musste.
Er hatte mir fünfzehn Kilo voraus. Er hatte keine Chance.
Er bekam nie die paar Minuten, die er brauchte, um sich in Trance zu bringen.
Ich schlug ihm mitten ins Gesicht und brach seine Nase. Danach trat ich ihm erst gegen die
eine, danach gegen die andere Kniescheibe, um ihn auf eine handlichere Höhe zu kriegen.
Zwölf Stiche waren nötig, um seine Nasenscheidewand wieder zurechtzurücken.
Eigentlich hat nie jemand so recht daran geglaubt, dass ich das hätte gewesen sein können.

Schlafende Hunde
Diesmal brauche ich den Hund nicht zu rufen. Er wartet schon und hat darauf
gehofft, dass ich zurückkomme. Ich werfe die Leber über den Zaun. Man hört
so viel über den verfeinerten Geruchssinn von Hunden. Ich fürchte, dass er
die Tabletten riechen könnte. Meine Furcht wird beschämt. Er zieht sich die
Leber rein wie ein Staubsauger.
Danach warten wir, der Hund und ich. Er wartet auf mehr Leber. Ich warte
darauf zu sehen, was die Pharmaindustrie für die schlaflosen Tiere tun kann.

Gefängnisse
„Eingesperrtsein“, sagt er langsam, „in einem kleinen schalltoten Raum ohne
Fenster, ist, so habe ich mir sagen lassen, besonders unangenehm, wenn man
in Grönland aufgewachsen ist.“
Er hat nichts Sadistisches an sich. Er weiss nur genau und vielleicht ein bisschen
melancholisch über seine Druckmittel Bescheid.
In Grönland gibt es keine Gefängnisse. Der grösste Unterschied zwischen der
Gesetzgebung in Dänemark und in Nuuk besteht darin, dass man
in Grönland Gesetzesübertretungen, für die man in Dänemark mit Haft oder Gefängnis
bestraft wird, weit häufiger mit Geldbussen ahndet. Die grönländische
Hölle ist nicht die
schwefelschwappende europäische Klippenlandschaft. Die grönländische
Hölle ist der
geschlossene Raum. Ich erinnere mich an meine Kindheit, als seien wir nie in
Innenräumen gewesen. Es war undenkbar für meine Mutter, längere Zeit am selben
Ort zu wohnen. Mir geht es mit meiner räumlichen Freiheit wie – nach meiner
Beobachtung – Männern mit ihren Hoden. Ich wiege sie wie einen Säugling und
bete sie an wie eine Göttin.

Polarbären
Wenn Tiere – und im grossen und ganzen alle gewöhnlichen Menschen – vor einer
physischen Bedrohung stehen, wird in ihrem Körper etwas steif. Physiologisch
betrachtet ist das unökonomisch, aber es ist ein Gesetz. Eisbären sind davon
ausgenommen. Sie können vollendet entspannt zwei Stunden lang auf der Lauer
liegen, ohne auch nur eine Sekunde den maximalen Bereitschaftstonus der
Muskulatur zu lockern. Jetzt sehe ich, dass auch (X) davon ausgenommen ist.
Seine Haltung ist fast locker. Doch in seiner Konzentration auf die Männer vor ihm
liegt eine physische Gefährlichkeit, die mir erneut klarmacht, wie wenig ich über
ihn weiss.

Papierkrieg
Wir anderen haben eine Schublade, eine Mappe, eine Klarsichthülle. (X) hat sieben
fettige Briefumschläge, in denen sie die gedruckten Zeugnisse ihres Daseins
aufbewahrt. Für viele Grönländer ist die schriftliche die schwerste Seite von Dänemark.
Die staatsbürokratische Papierfront aus Anträgen, Formularen und Schriftwechseln
mit der jeweils zuständigen Behörde. Die Tatsache, dass selbst eine fast
analphabetische Existenz wie Juliane einen solchen Berg von Papier eingebracht hat,
entbehrt nicht einer feinen und zarten Ironie.

Das Büro des Professors
Hinter der Glastür führt ein kurzer Flur zu einem Schild, an dem Professor steht
und in kleineren Buchstaben (Eigenname). Unter dem Schild ist eine Tür, hinter
der Tür eine Garderobe und dahinter ein kühles Büro mit zwei Sekretärinnen
unter Fotoabzügen von Eisbergen auf blauem Wasser und in strahlender Sonne,
dahinter fängt das richtige Büro an.
Hier drinnen haben sie keinen Tennisplatz angelegt. Nicht, weil kein Platz wäre,
sondern sicher, weil (X) ein paar in seinem Garten in (nobler Stadtteil) und zwei
weitere am (X)-weg in (andere Stadt) hat. Und weil es die gewichtige Feierlichkeit
des Raumes beeinträchtigt hätte.
Auf dem Fussboden liegt ein dicker Teppich. zwei Wände sind von Büchern
bedeckt; Panoramafenster mit Aussicht über den (X)-Park, ein in die Mauer
eingelassener Safe, goldgerahmte Gemälde, ein Mikroskop über einem Lichttisch,
eine Glasvitrine mit einer vergoldeten Maske, die aussieht, als käme sie aus einem
ägyptischen Sarkophag, zwei Sofaecken, zwei abgeschaltete Bildschirme auf
einem Sockel und noch immer so viel Platz, dass man, wenn man die
Schreibtischhockerei satt hätte, einen Bürolauf machen könnte.

Kaffee
„K-Kaffee ?“
Kaffee ist Gift. Trotzdem kriege ich plötzlich Lust, mich im Morast zu wälzen,
und sage ja, bitte.
Ich stehe in der Tür und schaue zu, wie er den Kaffee macht. Die Küche ist
ganz weiss. Er zentriert sich darin wie ein Badmintonspieler auf dem Platz,
damit er sich so wenig wie möglich bewegen muss. Er hat eine kleine
elektrische Mühle. Darin mahlt er erst mehrere helle Bohnen und danach
welche, die klein, fast schwarz und so blank wie Glas sind. Er mischt sie in
einem kleinen Metalltrichter, den er in eine Espressokanne montiert, die er
auf eine Gasflamme stellt.
In (Land) nimmt man hässliche Kaffeegewohnheiten an. Ich kippe heisse
Milch direkt in den Nescafé. Ich bin keineswegs darüber erhaben, das Pulver
einfach in dem Wasser aufzulösen, das direkt aus dem Heisswasserhahn
kommt.
Er giesst ein Drittel Rahm und zwei Drittel Vollmilch in zwei hohe Henkelgläser.
Der Kaffee, den er aus der Maschine zapft, ist schwarz und dick wie Rohöl.
Er schäumt die Milch mit dem Dampfrohr auf und verteilt den Kaffee auf die
beiden Gläser.
Wir nehmen ihn mit zum Sofa. Ich weiss es durchaus zu schätzen, wenn mir
jemand etwas Gutes vorsetzt. Das Getränk in dem hohen Glas ist dunkel wie
alte Eiche und hat einen überwältigenden, fast parfümierten tropischen Duft.
…
Das Glas ist brühheiss. Der Kaffee kochend. Normalerweise verlieren heisse
Getränke beim Umgiessen ihre Temperatur. Aber hier hat das Dampfrohr das
Glas zusammen mit der Milch auf einhundert Grad erhitzt.
…
Ich schlürfe vorsichtig über die Oberfläche. Das Getränk ist so stark, dass es
mir das Wasser in die Augen treibt und ich plötzlich mein Herz spüre.

Einsamkeit
Mir geht es mit der Einsamkeit wie anderen mit dem Segen der Kirche.
Sie ist für mich ein Gnadenlicht. Ich mache nie hinter mir die Tür zu, ohne
mir bewusst zu sein, dass ich damit für mich eine Tat der Barmherzigkeit
vollbringe. Cantor veranschaulichte seinen Schülern den Unendlichkeits-
begriff, indem er erzählte, es sei einmal ein Mann gewesen, der ein Hotel
mit einer unendlichen Zahl von Zimmern gehabt habe, und das Hotel sei
voll belegt gewesen. Dann sei noch ein Gast gekommen. Der Wirt habe
den Gast von Zimmer Nummer eins nach Nummer zwei, den von Nummer
zwei nach Nummer drei, den von drei nach vier verlegt, und so fort.
Damit sei das Zimmer Nummer eins für den neuen Gast frei geworden.
Was mich an dieser Geschichte freut, ist die Tatsache, dass alle Beteiligten,
die Gäste und der Wirt, es ganz in Ordnung finden, eine unendliche Anzahl
von Operationen durchführen zu müssen, damit ein einzelner Gast in einem
Zimmer für sich Ruhe und Frieden finden kann.
Das ist eine grosse Verbeugung vor der Einsamkeit.

Schlafsäle und Schädel
In meinem Leben kommen einige Internate vor. Ich arbeite täglich daran,
das zu verdrängen, und über lange Zeiträume hinweg gelingt es mir sogar.
Nur momentweise schafft es vielleicht eine vereinzelte Erinnerung, sich
ans Licht hochzuarbeiten. Wie jetzt die ganz spezielle Stimmung in einem
Schlafsaal. In Stenhoj
bei Humlebæk, nördlich von Kopenhagen, lagen wir in
Schlafsälen. Einer war für Mädchen, einer für Jungs. In der Nacht mussten
die Fenster offen sein. Und unsere Decken waren zu dünn.
In der Morgue, im Leichenschauhaus der Amtsgemeinde Kopenhagen,
im Keller des Gerichtsmedizinischen Instituts des Landeskrankenhauses,
schlafen die Toten in bis knapp über den Gefrierpunkt gekühlten Schlafsälen
den letzten, kalten Schlaf.
Überall ist es sauber, modern und endgültig. Sogar im Schauraum, der wie
ein Wohnzimmer gestrichen ist, in den man ein paar Stehlampen gestellt hat
und wo eine Grünpflanze den Mut zu bewahren sucht.
Über (X) liegt ein weisses Laken. Jemand hat einen kleinen Blumenstrauss
darauf gelegt, als habe er versucht, die Topfpflanze zu unterstützen.
(X) ist vollständig zugedeckt, doch an dem kleinen Körper und dem grossen
Kopf sieht man, dass er es ist. Die französischen Schädelmesser hatten in
Grönland grosse Probleme. Sie arbeiteten mit der Theorie, dass zwischen der
Intelligenz eines Menschen und seiner Schädelgrösse ein kausaler
Zusammenhang bestehe. Bei den Grönländern, die sie für eine
Übergangsform der Affen hielten, fanden sie die grössten Schädel der Welt.

Ich habe natürlich ein gewisses Verständnis für Probleme die man sicher hat, wenn man zwar
die Story kennt (etwa die Verfilmung oder eben eine Übertragung in ein Hörbuch),
das Buch selbst aber nicht hat bzw. nicht gelesen hat.
Viele der kleinen sprachlichen Gemeinheiten können so sicher in der Hörbuch-Version nicht rüberkommen,
da geht halt nix über das Original :wink:
Auch ich habe mir allerdings einige Hörbücher besorgt (u.a. für lange Autofahrten),
besonders gut fand ich die nun aber wieder zum indirekten Lernen einer fremden Sprache
(natürlich nur wenn schon genug Grundlagen vorhanden sind dass man wenigstens etwas versteht...).
Eddy

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Beitrag von minol »

Hallo!

Volkseigene Kraft- und Schmierstoffversorgung? Ist ja lustig. Daran
hatte ich gar nicht gedacht, als ich mich anmeldete und Wikipedia lese
ich auch nicht jeden Tag ... :)

Ja, tut mir leid, daß ich das so herausposaunt habe. Auch wenn meine
Fragen ziemlich auf Smilla gezielt aussehen, habe ich an Smilla
überhaupt nicht gedacht. Das war eine spontane Eingebung, die mir kam,
weil die Zitate so düster waren und ich auch die Hörspielstimmung als
düster in Erinnerung hatte. Und dann eine Hauptfigurin und weit im
Norden... und als ich den Autor ermittelt hatte und sah, daß es paßte,
habe ich es einfach probiert - getreu dem Motto: Blindes Huhn findet
auch ein Korn. Auf jeden Fall paßt Smilla's Gespür für Schnee gut zur
Jahreszeit... ;)

Mein Kommissar Beck war kein Lösungsvorschlag, sondern nur eine
Ergänzung zu Otto's Beitrag.

@Otto: hattest Du nicht irgendwo im Forum die Mitternachtskrimis
empfohlen? Da lief Smilla nämlich auch mal vor Jahren.

Viele Grüße
Michael
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