Ulli hat geschrieben:@homer;
unter KOHL ging es dir doch noch gut genug, oder ?
Abgehauen bist Du doch erst später, unter Schröder...!?
Leicht verwegene Mutmaßung, wenn auch nicht völlig falsch :
Zu der allermeisten Zeit der Regentschaft Kohl ging es mir tatsächlich verhältnismäßig gut -
da habe ich nämlich das erste Mal für lange Zeit Deutschland verlassen, nur offenbar leider nicht weit genug :
Ab dem Winter `89 ging es dort (Dänemark) nämlich auch mit den Einkommen nicht mehr richtig bergauf.
Speziell in dem Sektor des internationalen Güterfernverkehrs wären die meisten in Deutschland oder sonst in
der EU heute froh wenn sie das verdienen könnten was damals nach Tarif in Dänemark bezahlt wurde.
Mit der Übernahme der DDR, der weiteren Öffnung nach Osten, jahrelangem Sozialdumping und den Auswirkungen
in der ganzen EU war damit nämlich leider auch in Dänemark weitestgehend Schluß.
Fakt ist daß Fahrer im Grenzüberschreitenden Verkehr innerhalb der EU heute schlechter bezahlt werden als
teilweise vor 20 Jahren - ohne dabei Inflation usw. zu berücksichtigen !
Soweit ich damals in Deutschland gearbeitet habe liegst Du falsch - ich bin anno 84/85 nach der Pleite meines
damaligen Arbeitgebers in Flensburg mit dem Taxifahren angefangen.
Man konnte davon leben - legale Verhältnisse waren das aber auch damals schon lange nicht mehr.
Von über 100 Flensburger Taxen waren zu Beginn meiner Taxenkarriere in der Nachtschicht vielleicht 10 mit regulär
angestelltem Fahrpersonal besetzt - danach wurde es von Jahr zu Jahr noch schlimmer

Ich bin seinerzeit über den ersten Berufskraftfahrer-Lehrgang des Arbeitsamtes in Schläfrig-Holstein zum
Bus-/LKW- und folglich auch Taxifahren gekommen. Von gut 20 Busfahrern aus dem Lehrgang landeten
wenigstens 15 in der unmittelbaren Folgezeit auf der Taxe - natürlich als "Nebenverdienst".
Mit Sicherheit bin ich in Deutschland nicht vor irgendwas abgehauen, schon gar nicht einer wie-auch-immer-Regierung.
Sehr entscheidend waren die konkreten Arbeitsmöglichkeiten - ich habe zwischendrin auch in Holland und
Luxemburg gearbeitet - überall in den Verkehrsunternehmen sind und waren die Bedingungen besser als in Deutschland.
Ein wesentliches Problem ist aber daß schlechte Bezahlung und sonstiges Sozialdumping sich fortpflanzt und
Auswirkungen auch über die Grenzen hinaus hat.
Mein jetziger Arbeitgeber und der darüber stehende Auftraggeber (Spediteur) fahren überwiegend nur noch
Inlandsaufträge bzw. Verkehr nach Schweden, allenfalls noch Finnland und Dänemark :
In den anderen Gebieten Europas sind die realisierbaren Frachtpreise derart im Keller daß es sich nicht mehr lohnt.
Soweit Aufträge von und in diese Gebiete vorliegen fahren das zu 90% ostdeutsche Subunternehmer mit unseren
Trailern aber eigenen Zugmaschinen, die allermeisten davon aus Mecklenburg.