Statement eines Taxlers

Aktuelle Themen, die das Oldenburger Taxigewerbe bewegen

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Holgi
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Statement eines Taxlers

Beitrag von Holgi »

Leidenschaftlicher Autofahrer
Willie Feldkamp

Jeden Tag flitzen sie durch die Stadt, die beigefarbenen Autos mit dem gelb-schwarzen Schild auf dem Dach.
Sie sammeln hier oder dort Menschen ein und bringen sie zur Arbeit,
ins Krankenhaus oder zum Einkaufszentrum.
Sie warten vor dem Oldenburger Bahnhof, in der Hoffnung, dass aus
dem nächsten Zug vielleicht endlich wieder ein Kunde aussteigt.
Sie streifen durch die Nacht, holen frisch verliebte Pärchen oder frisch betrunkene Cliquen aus der Disko ab.
Willi Feldkamp ist einer von Oldenburgs Taxifahrern.

Seit neun Jahren ist er täglich auf der Suche nach der nächsten Tour.
Zwischen sechs und sieben Uhr morgens geht es los, gegen 18 oder 19 Uhr ist Feierabend.
Dazwischen kämpft er sich durch den Stadtverkehr und um jeden Kunden. „Ich fahre auf Provision. Je mehr Touren ich habe, desto mehr Geld verdiene ich“, sagt der 52Jährige.
Da er für eine Taxifirma fährt, blieben von 100 Euro Umsatz etwa 30 für ihn übrig.
Ein guter Fahrer schaffe es im Monat auf durchschnittlich Eintausend Euro.
„Viele bekommen aber über ALG II eine Aufstockung, weil es sonst nicht reicht“, so Willie Feldkamp.
Seine Kollegen sind dabei gleichzeitig seine härtesten Konkurrenten. „Auch wenn es so aussieht, in Wirklichkeit versteht sich keiner so richtig“,
sagt Willie Feldkamp. Oft gebe es Streit um Stellplätze an denTaxiständen. Manche würden sich über Funk frei ausgerufene Touren „erlügen“.
„Einige Fahrer stehen um halb vier auf, weil sie wissen, dass um Viertelnach fünf an einer Außenstelle
eine gute Tour wartet. Die können vorher die ganze Nacht nicht richtig schlafen“, so Willie Feldkamp. Der Konkurrenzkampf unter den Taxifahrern ist groß und Fahrten sind rar gesät.
Von den zwölf Stunden sei ein guter Fahrer effektiv circa vier bis fünf Stunden auf der Straße.
Den Rest der Zeit heißt es zu warten, entweder am Bahnhof, am Waffenplatz oder an einem der vielen anderen Taxistände.

Doch nicht nur in der eigenen Zunft lauert die Konkurrenz.
„Während ich nur Geld verdiene, wenn ich auch wirklich Kunden habe, ist es dem städtischen Busbetrieb egal, ob jemand mitfährt oder nicht.
Die werden von der Stadt gefördert“, ärgert sich Willie Feldkamp,
noch mehr sogar, wenn er daran denkt, dass seine eigenen Fahrpreise ebenfalls von der Stadt vorgegeben werden.
Doch Willie Feldkamp weiß, wie es ist, um seine Existenz zu kämpfen. Nicht nur, dass der gebürtige Vareler sich für zwölf Jahre von der Bundeswehr verpflichten ließ, obwohl er anfangs eigentlich überhauptnicht zum Militär wollte.
Mit seiner kaufmännischen Ausbildung machte er sich Ende der Achtziger Jahre u.a. bei einer Versicherungsagentur und mit einem Kiosk selbstständig.
Dass er heute Taxi fährt, nennt er Zufall, bekennt aber gleichzeitig, dass er ein leidenschaftlicher Autofahrer sei.
„Ich würde nie mit dem Zug oder Bus fahren. Mit dem Auto kann ich
meinen Freiheitsdrang ausleben“, sagt Willie Feldkamp.
Am Ende des Tages, nach zwölf Stunden im Taxi, sei er „richtig fertig“.
Meistens packe er sich dann vor den Fernseher, bevor er bald darauf schlafen geht.
Manchmal, vor allem im heißen Sommer, gehe er abends noch schwimmen.
Nur am Sonnabend nimmt er sich Zeit. „Da fahre ich nie. Sonnabend ist Familientag“, so Willie Feldkamp.


Der Text wurde der Mox 19/08 entnommen.
Geschrieben wurde er von Robert Niemeyer
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