Otto hat geschrieben:Sprechfunk ist nicht einfach nur ein Relikt aus alten Zeiten, Menschen sprechen nun einmal miteinander. Ich behaupte, daß Datenfunk nicht gut für kleine Firmen und eine Zusammenlegung aller Zentralen in OL (zum Glück) illusorisch ist.
Moin moin - ich kann und will die Strukturen der Zentralen in Oldenburg nicht beurteilen.
Dafür kenne ich allerdings aus der Vergangenheit die Flensburger Verhältnisse nur zu gut und denke mir daß die Größenordnung nicht gar so weit auseinander liegt.
Als ich vor gut 20 Jahren mit dem Taxifahren in Flensburg anfing gab es dort 121 Taxenkonzessionen die nicht alle vergeben waren. Die etwa 115 Taxen waren auf sieben verschiedene Zentralen verteilt von denen drei nur 10 Wagen oder noch weniger hatten. Inzwischen sind offenbar die meisten dieser Mikrozentralen und viele Taxen auf der Strecke geblieben, dafür gibt`s jetzt eine Handvoll zusätzlicher Mietwagenzentralen.
Im krassen Gegensatz dazu stehen die Verhältnisse da wo ich jetzt wohne :
Hier in Norwegen werden Mietwagen gar nicht konzessioniert, es gibt praktisch nur Taxen wobei dazu auch noch Busse bis zu 16 Fahrgastplätzen gehören. Außerdem gibt es die Vorschrift daß in den Städten jedes Taxi an eine örtliche Funkzentrale angeschlossen sein muß. Es gibt keine Vorschrift daß es etwa nur eine Zentrale geben dürfte, faktisch ist es aber so daß fast überall nur eine gemeinsame Genossenschaft existiert. Erst neuerdings bestehen in den vier größten Orten zwei (Bergen, Trondheim und Stavanger/Sandnes) bzw. drei (Oslo). In meiner Gegend bedient eine
genossenschaftliche Funkzentrale zwei direkt benachbarte Städte (Fredrikstad und Sarpsborg) und einen Teil des Umlands. Dabei kommen hier 104 Taxen (davon etwa 12 Kleinbusse von 8-16 Fahrgastplätzen) auf ein Gebiet mit etwa 125.000 Einwohnern (gut 105.000 in den beiden Städten).
Selbstverständlich arbeitet diese Zentrale mit modernem Datenfunk, alles andere wäre bei der Größenordnung unwirtschaftlich, zudem bietet nur ein Datenfunksystem mit angeschlossener GPS-Positionsbestimmung eine echte Möglichkeit das Fahrzeug im Notfall schnell zu orten.
Ich bin in der Anfangszeit sehr gern Sprechfunk gefahren, auch zuletzt in Hamburg noch. Bei hunderten von angeschlossenen Fahrzeugen funktioniert aber das von jr zu echt beschriebene menschliche Element als Förderer eines sozialen Gefüges ohnehin schon nicht mehr. Wenn man die anonyme Funkstimme nicht kennt (nicht einmal kennen darf !) dann kannst Du sie heutzutage besser gleich durch ein Datenfunksystem ersetzen.
Datenfunk bedeutet ja auch nicht zwangsläufig daß jeglicher Sprechfunk wegfallen muß. Alle Hamburger Datenfunker haben nebenher wenigstens theoretisch auch Sprechkanäle zur Verfügung, der Hansafunk bietet bei wenig Vermittlungsaufkommen sogar die Möglichkeit sich über den Rechner mit einem anderen Kollegen automatisch zu einem Wagen-Wagen-Gespräch zusammenschalten zu lassen (zeitlich beschränkt). Bei allen diesen Datenfunksystemen ist entscheidend was man daraus macht. Wer glaubt als Funkzentrale von einem privaten Anbieter ein perfektes System von der Stange kaufen zu können ist gündlich auf dem Holzweg, entscheidend ist eine sehr sorgfältige Anpassung an die örtlichen Verhältnisse und dazu gehört weit mehr als nur ein Vermittlungsrechner und Fahrzeugterminals.
Datenfunk hat vor allem entscheidende Vorteile in der Geschwindigkeit, wenn viele Aufträge anstehen :
22 Taxen zum Grandhotel in den nächsten 10 Minuten, darunter sechs Nichtraucher, davon vier mit Kartenleser, drei GRTs für fünf, sieben und acht Fahrgäste, ein Kombi für Dr.Rockefeller und seinen trächtigen Bernhardiner, und zwei gepflegte Limousinen für Touren nach außerhalb, davon ein zwingend gut englisch sprechender Fahrer - sowas kannst Du flüssig und "just in time" überhaupt nur mit Datenfunk hinkriegen. Wer eine solche Anlage kauft sollte sich deshalb Referenzobjekte auch nicht bei "Schönwetterbetrieb" angucken sondern zu Weihnachten oder Sylvester

Genau das ist offenbar in Düsseldorf neben einigen anderen elementaren Punkten übersehen worden - wenn eh nix zu tun ist funktioniert jedes Funksystem gut...
Als mittlerweile ziemlich überzeugter Datenfunker räume ich allerdings zwei sehr heftige Nachteile des Datenfunks ein :
Erstens bekommt man eben gar nichts mehr mit was am Funk passiert - wenn Du Pech hast stehst Du eine kleine Ewigkeit am Halteplatz während einen Kilometer weiter alle Taxen besetzt sind, früher hätte man sowas viel eher aus dem Funkverkehr herausgehört.
Zweitens gibt es keinen Bonus für gute Funkfahrer mehr - mit dem Datenfunk kann weitestgehend jeder Depp arbeiten, der sagt ihm im Zweifel sogar noch sehr genau an wo und wie die Abholadresse bis hin zur Hausnummer zu finden ist.
Wer sich für Details der verschiedenen Datenfunksysteme interessiert kann übrigens so manche nützliche Information aus den heftigen Debatten gewinnen die seit wenigstens einem Jahr bei der kleineren Hamburger Genossenschaft "dt" und in ihrem Umfeld geführt werden, die Links zu den interessantesten Seiten dieser Debatte trage ich hier nachher gleich mal nach.
homer