minol hat geschrieben: Also wage ich es jetzt zu fragen,
ob es Smillas Gespür für Schnee sein könnte?
Auch wenn der Kollege von der volkseigenen Kraft- und Schmierstoffversorgung (schöner Name !

)
da ja leider schon ein wenig voreilig mit der Lösung der Hauptaufgabe herausgeplatzt ist
gilt natürlich :
Ehre wem Ehre gebührt - das war die korrekte Lösung
Selbstverständlich war das aus "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" von Peter Høeg -
die deutsche Übersetzung des dänischen Romans "Frøken Smillas fornemmelse for sne" aus 1992.
Die Geschichte spielt teils in Kopenhagen, teils in Grönland bzw. auf dem Seeweg dahin
(und eine kleine Nebenepisode im von alliierten Truppen besetzten Nachkriegs-Hamburg).
Die Wikipedia fasst die Handlung sehr treffend so zusammen :
Die Hauptperson ist Smilla Jaspersen, die Tochter einer Inuit und eines dänischen Arztes.
Die arbeitslose Wissenschaftlerin lebt in Kopenhagen, wo sie nur sehr schwer mit der
europäischen Kultur zurechtkommt. Als ein Inuit-Junge in ihrem Wohnblock vom Dach
stürzt und stirbt, erkennt sie als einzige Person, dass dieser Sturz kein Unglück, sondern ein
Verbrechen war. Getrieben von ihrer Trauer begibt sie sich auf die Suche nach Beweismaterial
und gerät dabei immer wieder in Gefahr. Der Roman ist in drei Teile: "die Stadt", "das Meer"
und "das Eis" gegliedert und wird aus der Perspektive von Smilla Jaspersen erzählt.
Smilla Jaspersen selbst interessiert sich vornehmlich für die Spuren im Schnee, eine Eigenschaft,
der auch der Titel Rechnung trägt.
Das Buch hat neben den privaten, kriminalistischen, Ermittlungen Smillas eine weitere Ebene:
In ihren Kindheitserinnerungen wird geschildert, wie das Volk der Inuit unter den Dänen
als Kolonialmacht unterdrückt worden ist.
Fräulein Smilla erzählt, wie tief sie in der Kultur der Inuit verwurzelt ist.
Das Buch wurde von der internationalen Kritik hoch gelobt und avancierte zum Bestseller.
Folgerichtig wurde es 1997 von Bille August mit Julia Ormond, Gabriel Byrne, Tom Wilkinson,
Jim Broadbent, Richard Harris, Mario Adorf und Jürgen Vogel als "Fräulein Smillas Gespür für Schnee"
verfilmt, wobei manche Kritiker (und ich auch) die psychologische Tiefe der Vorlage vermissten.
ISBN Deutsch von Monika Wesemann. Verlag Rowohlt Taschenbuch (2004) 515 Seiten.
ISBN 3499237016 bzw. ISBN 3446176837
Es war also nicht Henning Mankell und hat noch weniger mit Kommissar Beck zu tun
Peter Høeg ist ein vielfach ausgezeichneter dänischer Autor
http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_H%C3%B8eg
Das Buch selbst gehört seit ich es kenne zu meinen Lieblingsromanen, daran ist natürlich nicht zuletzt
die so vielschichtige und sicher nicht unkomplizierte Person Smilla schuld,
von der ich Euch wenigstens noch ein paar weitere Zitate mitgeben möchte :
Peter Høeg/<Smilla> hat geschrieben:Messer
Die Messer, die ich in der Wohnung habe, sind gerade noch so gefährlich,
dass man damit Briefe öffnen kann. Eine Scheibe grobes Brot zu schneiden
geht bereits über ihre Leistungsfähigkeit. Für mich brauchen sie auch nicht
schlimmer zu sein. An schlechten Tagen verfalle ich sonst leicht auf den
Gedanken, dass man sich ja jederzeit im Bad vor den Spiegel stellen und
sich die Kehle durchschneiden kann. Bei solchen Gelegenheiten ist es ganz
angenehm, wenn man die zusätzliche Sicherheit hat, dass man sich beim
Nachbarn erst ein ordentliches Messer ausleihen muss.
Überwachung
Ich lassen mich nicht gern überwachen. Ich hasse Stempelkarten und
Gleitzeit. Auf vernetzte Register reagiere ich allergisch. Ich verabscheue
Passkontrollen und Geburtsscheine, Schulpflicht, Auskunftspflicht,
Versorgerpflicht, Ersatzpflicht, Schweigepflicht, dieses ganze schwammige
Ungeheuer staatlicher Kontrollmassnahmen und Forderungen, die einem
auf den Kopf fallen, wenn man nach Dänemark kommt, und die ich im
Alltag aus meinem Bewusstsein wische, die sich aber jederzeit wieder vor
mir aufbauen und sich beispielsweise in einem kleinen schwarzen Telefon
materialisieren können.
Ich hasse es um so mehr, weil ich weiss, dass es auch eine Art schwarzer
Segen ist, dass der gesamte westliche Kontroll-, Archivierungs- und
Katalogisierungswahn auch als Hilfe gedacht ist.
Kolonisierung
Gefühle müssen klar fliessen, um sich nicht zu verwirren. Man kann so
weit kommen, dass man die Kolonisierung von Grönland mit reinem,
unverfälschtem Hass hasst. Das Problem ist nur, dass sie – weshalb immer
man sie auch verabscheut – unbestreitbar der materiellen Not des Lebens,
das das härteste der Welt war, abgeholfen hat.
Gewalt
Unter grossen Teilen der Bevölkerung hat sich das Missverständnis
breit gemacht, dass Gewalt immer nur dem physisch Starken zum Vorteil
gereicht. Das ist nicht richtig. Wie eine Schlägerei ausgeht, ist eine Frage
der Geschwindigkeit auf den ersten Metern. Als ich nach einem halben
Jahr Rugmarkschule in die Skovgårdsschule umgeschult wurde, begegnete ich
zum erstenmal der klassischen dänischen Verfolgung der >anderen<.
Dort, wo wir herkamen, waren wir allesamt Ausländer und im selben Boot gewesen.
In meiner neuen Klasse war ich die einzige mit schwarzen Haaren und unbeholfenem dänisch.
Besonders ein Junge aus einer höheren Klasse war wirklich äusserst brutal.
Ich bekam heraus, wo er wohnte. Dann stand ich früh auf und wartete auf ihn.
An der Stelle wo er über den Skovshovedvej musste.
Er hatte mir fünfzehn Kilo voraus. Er hatte keine Chance.
Er bekam nie die paar Minuten, die er brauchte, um sich in Trance zu bringen.
Ich schlug ihm mitten ins Gesicht und brach seine Nase. Danach trat ich ihm erst gegen die
eine, danach gegen die andere Kniescheibe, um ihn auf eine handlichere Höhe zu kriegen.
Zwölf Stiche waren nötig, um seine Nasenscheidewand wieder zurechtzurücken.
Eigentlich hat nie jemand so recht daran geglaubt, dass ich das hätte gewesen sein können.
Schlafende Hunde
Diesmal brauche ich den Hund nicht zu rufen. Er wartet schon und hat darauf
gehofft, dass ich zurückkomme. Ich werfe die Leber über den Zaun. Man hört
so viel über den verfeinerten Geruchssinn von Hunden. Ich fürchte, dass er
die Tabletten riechen könnte. Meine Furcht wird beschämt. Er zieht sich die
Leber rein wie ein Staubsauger.
Danach warten wir, der Hund und ich. Er wartet auf mehr Leber. Ich warte
darauf zu sehen, was die Pharmaindustrie für die schlaflosen Tiere tun kann.
Gefängnisse
„Eingesperrtsein“, sagt er langsam, „in einem kleinen schalltoten Raum ohne
Fenster, ist, so habe ich mir sagen lassen, besonders unangenehm, wenn man
in Grönland aufgewachsen ist.“
Er hat nichts Sadistisches an sich. Er weiss nur genau und vielleicht ein bisschen
melancholisch über seine Druckmittel Bescheid.
In Grönland gibt es keine Gefängnisse. Der grösste Unterschied zwischen der
Gesetzgebung in Dänemark und in Nuuk besteht darin, dass man
in Grönland Gesetzesübertretungen, für die man in Dänemark mit Haft oder Gefängnis
bestraft wird, weit häufiger mit Geldbussen ahndet. Die grönländische
Hölle ist nicht die
schwefelschwappende europäische Klippenlandschaft. Die grönländische
Hölle ist der
geschlossene Raum. Ich erinnere mich an meine Kindheit, als seien wir nie in
Innenräumen gewesen. Es war undenkbar für meine Mutter, längere Zeit am selben
Ort zu wohnen. Mir geht es mit meiner räumlichen Freiheit wie – nach meiner
Beobachtung – Männern mit ihren Hoden. Ich wiege sie wie einen Säugling und
bete sie an wie eine Göttin.
Polarbären
Wenn Tiere – und im grossen und ganzen alle gewöhnlichen Menschen – vor einer
physischen Bedrohung stehen, wird in ihrem Körper etwas steif. Physiologisch
betrachtet ist das unökonomisch, aber es ist ein Gesetz. Eisbären sind davon
ausgenommen. Sie können vollendet entspannt zwei Stunden lang auf der Lauer
liegen, ohne auch nur eine Sekunde den maximalen Bereitschaftstonus der
Muskulatur zu lockern. Jetzt sehe ich, dass auch (X) davon ausgenommen ist.
Seine Haltung ist fast locker. Doch in seiner Konzentration auf die Männer vor ihm
liegt eine physische Gefährlichkeit, die mir erneut klarmacht, wie wenig ich über
ihn weiss.
Papierkrieg
Wir anderen haben eine Schublade, eine Mappe, eine Klarsichthülle. (X) hat sieben
fettige Briefumschläge, in denen sie die gedruckten Zeugnisse ihres Daseins
aufbewahrt. Für viele Grönländer ist die schriftliche die schwerste Seite von Dänemark.
Die staatsbürokratische Papierfront aus Anträgen, Formularen und Schriftwechseln
mit der jeweils zuständigen Behörde. Die Tatsache, dass selbst eine fast
analphabetische Existenz wie Juliane einen solchen Berg von Papier eingebracht hat,
entbehrt nicht einer feinen und zarten Ironie.
Das Büro des Professors
Hinter der Glastür führt ein kurzer Flur zu einem Schild, an dem Professor steht
und in kleineren Buchstaben (Eigenname). Unter dem Schild ist eine Tür, hinter
der Tür eine Garderobe und dahinter ein kühles Büro mit zwei Sekretärinnen
unter Fotoabzügen von Eisbergen auf blauem Wasser und in strahlender Sonne,
dahinter fängt das richtige Büro an.
Hier drinnen haben sie keinen Tennisplatz angelegt. Nicht, weil kein Platz wäre,
sondern sicher, weil (X) ein paar in seinem Garten in (nobler Stadtteil) und zwei
weitere am (X)-weg in (andere Stadt) hat. Und weil es die gewichtige Feierlichkeit
des Raumes beeinträchtigt hätte.
Auf dem Fussboden liegt ein dicker Teppich. zwei Wände sind von Büchern
bedeckt; Panoramafenster mit Aussicht über den (X)-Park, ein in die Mauer
eingelassener Safe, goldgerahmte Gemälde, ein Mikroskop über einem Lichttisch,
eine Glasvitrine mit einer vergoldeten Maske, die aussieht, als käme sie aus einem
ägyptischen Sarkophag, zwei Sofaecken, zwei abgeschaltete Bildschirme auf
einem Sockel und noch immer so viel Platz, dass man, wenn man die
Schreibtischhockerei satt hätte, einen Bürolauf machen könnte.
Kaffee
„K-Kaffee ?“
Kaffee ist Gift. Trotzdem kriege ich plötzlich Lust, mich im Morast zu wälzen,
und sage ja, bitte.
Ich stehe in der Tür und schaue zu, wie er den Kaffee macht. Die Küche ist
ganz weiss. Er zentriert sich darin wie ein Badmintonspieler auf dem Platz,
damit er sich so wenig wie möglich bewegen muss. Er hat eine kleine
elektrische Mühle. Darin mahlt er erst mehrere helle Bohnen und danach
welche, die klein, fast schwarz und so blank wie Glas sind. Er mischt sie in
einem kleinen Metalltrichter, den er in eine Espressokanne montiert, die er
auf eine Gasflamme stellt.
In (Land) nimmt man hässliche Kaffeegewohnheiten an. Ich kippe heisse
Milch direkt in den Nescafé. Ich bin keineswegs darüber erhaben, das Pulver
einfach in dem Wasser aufzulösen, das direkt aus dem Heisswasserhahn
kommt.
Er giesst ein Drittel Rahm und zwei Drittel Vollmilch in zwei hohe Henkelgläser.
Der Kaffee, den er aus der Maschine zapft, ist schwarz und dick wie Rohöl.
Er schäumt die Milch mit dem Dampfrohr auf und verteilt den Kaffee auf die
beiden Gläser.
Wir nehmen ihn mit zum Sofa. Ich weiss es durchaus zu schätzen, wenn mir
jemand etwas Gutes vorsetzt. Das Getränk in dem hohen Glas ist dunkel wie
alte Eiche und hat einen überwältigenden, fast parfümierten tropischen Duft.
…
Das Glas ist brühheiss. Der Kaffee kochend. Normalerweise verlieren heisse
Getränke beim Umgiessen ihre Temperatur. Aber hier hat das Dampfrohr das
Glas zusammen mit der Milch auf einhundert Grad erhitzt.
…
Ich schlürfe vorsichtig über die Oberfläche. Das Getränk ist so stark, dass es
mir das Wasser in die Augen treibt und ich plötzlich mein Herz spüre.
Einsamkeit
Mir geht es mit der Einsamkeit wie anderen mit dem Segen der Kirche.
Sie ist für mich ein Gnadenlicht. Ich mache nie hinter mir die Tür zu, ohne
mir bewusst zu sein, dass ich damit für mich eine Tat der Barmherzigkeit
vollbringe. Cantor veranschaulichte seinen Schülern den Unendlichkeits-
begriff, indem er erzählte, es sei einmal ein Mann gewesen, der ein Hotel
mit einer unendlichen Zahl von Zimmern gehabt habe, und das Hotel sei
voll belegt gewesen. Dann sei noch ein Gast gekommen. Der Wirt habe
den Gast von Zimmer Nummer eins nach Nummer zwei, den von Nummer
zwei nach Nummer drei, den von drei nach vier verlegt, und so fort.
Damit sei das Zimmer Nummer eins für den neuen Gast frei geworden.
Was mich an dieser Geschichte freut, ist die Tatsache, dass alle Beteiligten,
die Gäste und der Wirt, es ganz in Ordnung finden, eine unendliche Anzahl
von Operationen durchführen zu müssen, damit ein einzelner Gast in einem
Zimmer für sich Ruhe und Frieden finden kann.
Das ist eine grosse Verbeugung vor der Einsamkeit.
Schlafsäle und Schädel
In meinem Leben kommen einige Internate vor. Ich arbeite täglich daran,
das zu verdrängen, und über lange Zeiträume hinweg gelingt es mir sogar.
Nur momentweise schafft es vielleicht eine vereinzelte Erinnerung, sich
ans Licht hochzuarbeiten. Wie jetzt die ganz spezielle Stimmung in einem
Schlafsaal. In Stenhoj
bei Humlebæk, nördlich von Kopenhagen, lagen wir in
Schlafsälen. Einer war für Mädchen, einer für Jungs. In der Nacht mussten
die Fenster offen sein. Und unsere Decken waren zu dünn.
In der Morgue, im Leichenschauhaus der Amtsgemeinde Kopenhagen,
im Keller des Gerichtsmedizinischen Instituts des Landeskrankenhauses,
schlafen die Toten in bis knapp über den Gefrierpunkt gekühlten Schlafsälen
den letzten, kalten Schlaf.
Überall ist es sauber, modern und endgültig. Sogar im Schauraum, der wie
ein Wohnzimmer gestrichen ist, in den man ein paar Stehlampen gestellt hat
und wo eine Grünpflanze den Mut zu bewahren sucht.
Über (X) liegt ein weisses Laken. Jemand hat einen kleinen Blumenstrauss
darauf gelegt, als habe er versucht, die Topfpflanze zu unterstützen.
(X) ist vollständig zugedeckt, doch an dem kleinen Körper und dem grossen
Kopf sieht man, dass er es ist. Die französischen Schädelmesser hatten in
Grönland grosse Probleme. Sie arbeiteten mit der Theorie, dass zwischen der
Intelligenz eines Menschen und seiner Schädelgrösse ein kausaler
Zusammenhang bestehe. Bei den Grönländern, die sie für eine
Übergangsform der Affen hielten, fanden sie die grössten Schädel der Welt.
Ich habe natürlich ein gewisses Verständnis für Probleme die man sicher hat, wenn man zwar
die Story kennt (etwa die Verfilmung oder eben eine Übertragung in ein Hörbuch),
das Buch selbst aber nicht hat bzw. nicht gelesen hat.
Viele der kleinen sprachlichen Gemeinheiten können so sicher in der Hörbuch-Version nicht rüberkommen,
da geht halt nix über das Original
Auch ich habe mir allerdings einige Hörbücher besorgt (u.a. für lange Autofahrten),
besonders gut fand ich die nun aber wieder zum indirekten Lernen einer fremden Sprache
(natürlich nur wenn schon genug Grundlagen vorhanden sind dass man wenigstens etwas versteht...).