Ehrlich gesagt interessieren mich Umfragewerte nach Parteien oder Politikern einen feuchten Sch***...,
nicht weil das hier von Ulli kommt sondern weil es überhaupt rein gar nichts aussagt.
Es ist schlimm genug daß in einer Fernsehdemokratie bei schlechten Wahlebeteiligungen
die größten Grinser und korrektesten Schlipse gewählt werden und eben nicht die Inhalte, sprich Programme.
Der morgen in Deutschland erscheinende Spiegel vom 13.2. hat auf Seite 30
einen schönen Artikel zum deutschen Rentensystem und den ungelösten Grundproblemen :
Tenor - das ganze System ist grundfalsch und dient schon seit Jahrzehnten eher einer Umverteilung
von unten nach oben als tatsächlich einer Grundsicherung im Alter.
Es wird sogar ein sehr konkretes, greifbares Gegenmodell angerissen - das der Schweizer nämlich.
In der Schweiz zahlt ausnahmslos
jeder Bürger, abhängig von seinem Einkommen in die
Rentenversicherung ein (also auch Beamte, Freiberufler, Selbständige - alle).
Auf der Ausgabenseite richten sich die Leistungen aber nicht nach der Höhe der Einzahlung sondern
sind tatsächlich nicht wesentlich mehr als eine Grundversorgung die allerdings deutlich etwa über der Sozialhilfe liegt.
Im Ergebnis wird damit erreicht daß im Prinzip niemand im Alter unter ein bestimmtes Minimum absinkt und -
wie etwa Millionen Rentner, vor allem Witwen in Deutschland, tatsächlich im hohen Alter von Sozialhilfe abhängig ist.
Die Beiträge die man in der Schweiz dafür in die Rentenversicherung zahlt sind im Schnitt nur halb so hoch wie in Deutschland.
Genau das liefert dann auch die Basis dafür daß breite Schichten auch reell die Möglichkeit haben zusätzliche private
Vorsorge zu bezahlen - wer im Alter mehr als die Grundversorgung will, muß dafür eben auch privat vorsorgen.
Im wesentlichen stimmt dieses Modell übrigens mit dem überein das seit Jahrzehnten hier in Norwegen
recht erfolgreich praktiziert wird - mit dem in Wahrheit nur geringen Unterschied daß das Ganze hier steuerfinanziert ist.
In die durchaus gleiche Richtung kehrt sich - wenn man es richtig anwendet - auch ein höheres Renteneintrittsalter :
In Norwegen ist schon seit langem 67 das reguläre Eintrittsalter in die Rente, dafür haben wir aber auch eine 35-Stunden-Woche.
Die Details aus der Untersuchung über das deutsche Rentensystem und die speziellen Erfahrungen unseres Gewerbes
sollten einen nachdenklich machen. Es hat keinen Sinn und ist kein echter Einsatz für die Bewahrung eines bestehenden Systems
sozialer Sicherung wenn man sich für die Beibehaltung der Rentenversicherung einsetzt so wie sie jetzt in Deutschland besteht.
Ich brauche mir die individuellen Aussichten nur im engsten Familienkreis anzusehen :
Meine Eltern sind beide nach einem langen Berufsleben so "pünktlich" verstorben daß sie beide den endgültigen
Rentenbescheid nicht mehr erlebt haben und in ihrer letzten Zeit aufgrund von Krankheit mit allem drum und dran Sozialfälle wurden.
Im Ergebnis haben beide über vierzig Jahre eingezahlt und jeweils einige Wochen oder Monate Leistungen bezogen.
Die ältere Schwester meines Vaters ist erst im letzten Jahr mit über 90 Jahren verstorben und hat 26 Jahre lang eigene Rente bezogen.
Beiträge hat sie - das nun in der Tat ein Sonderfall - weniger als ein Jahr lang eingezahlt,
daneben war die Hauptgrundlage eine nur wenige Jahre als beamtete Lehrerin ausgeübte Berufstätigkeit.
Als Jahrgang 1914 hat sie Ende der dreissiger Jahre geheiratet und sich damals zunächst beurlauben lassen -
nach dem Tode ihres Mannes im zweiten Weltkrieg bezog sie schon seitdem eine ausreichende Witwenrente.
Rein wirtschaftlich betrachtet ist das offenbar eine gute Grundlage um in Deutschland sehr alt zu werden,
im Unterschied zu meinen Eltern war sie insoweit nie "Sozialfall".
Wer dagegen volkswirtschaftlich was geleistet hat bedarf wohl keiner echten Debatte - und genau da ist die Schieflage
Wenn ich - aufs gesamte Leben gerechnet - zwei Jahre länger, d.h. etwa 47 statt 45 Jahre arbeiten soll
komme ich jedenfalls auf eine deutlich geringere Gesamtbelastung wenn dafür die Wochenarbeitszeit 35 statt 40 Stunden beträgt...
Speziell im Taxengewerbe scheint es mir allerdings angezeigt erstmal noch eine Etage niedriger anzusetzen -
nämlich dabei die Vielzahl Geringverdiener überhaupt erst wieder in eine Sozialversicherung hineinzubekommen.
Fakt ist nämlich daß sowohl etliche Krauter-Selbständige wie auch mit linken Tricks als "Geringverdiener"
beschäftigete angestellte Taxifahrer schon seit vielen Jahren praktisch so gut wie keine Beiträge mehr einzahlen...
da sie ja andererseits ohne weiteres mit 75 noch fahren können müssen sie das natürlich so gesehen auch nicht
homer