Immer mehr Autos...

Scholz und Co - nach dem Wetter Top-Thema im Taxi
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Cool Fire
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Immer mehr Autos...

Beitrag von Cool Fire »

Immer mehr Autos – selbst in den Städten
Trotz Klimakrise nimmt die Zahl der Pkw pro Einwohner weiter zu. Sogar dort,
wo der ÖPNV gut ausgebaut ist. Unsere Auswertung zeigt, wie sich Ihre Region
entwickelt hat (...)
Bemerkenswert ist, dass die private Autodichte in jedem einzelnen Kreis und
jeder Stadt stieg. Keiner Region ist es also in den vergangenen fünf Jahren
gelungen, die Zahl der Privatwagen je Einwohner zu senken (...)

https://www.zeit.de/mobilitaet/2022-11/ ... kehrswende
Bemerkenswert? Eine nette Umschreibung für diese Entwicklung...
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(Ronnie James Dio)
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jr
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Re: Immer mehr Autos...

Beitrag von jr »

Sprit ist zu billig.

Der ÖPNV wird für Autofahrer erst dann monetär attraktiver, wenn die sichtbaren Kosten des Autofahrens die des ÖPNV deutlich übersteigen. Die Zeiten, wo Bahnpreise nur nach km errechenbar waren, sind lange vorbei. 20 Cent je kam dürften bei Normalkarten aber ein Richtwert sein. Busse im Nahverkehr werden bei den meisten Strecken darüber liegen. Der Sprit für Autos (=sichtbarer Preis) kostet je km zwischen 10 und 15 Cent, und das unabhängig von der Personenzahl.

Wie gesagt: Es geht um das deutliche Übersteigen. Denn der Bequemlichkeitsfaktor kommt noch ins Spiel. Und der hat nicht nur mit dem PKW-Sitz zu tun sondern mit dem nicht gerade leicht überschauberen Zugang zum ÖPNV. Dem ÖPNV fehlt in diesem Sinne die Barrierefreiheit. Pauschaltickets wie das 9-Euro-Ticket können da hilfreich sein. Politiker beschäftigen sich in letzter Zeit aber lieber mit dem Schaffen von Problemen als mit dem Lösen.
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Otto
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Beitrag von Otto »

Bayern sperrt Klimaschützer für 30 Tage "vorbeugend" ein.

Man stelle sich vor, das macht Schule und demnächst kommen dann Falschparker in Vorbeugehaft.
Verännern mutt sien, sä de Düvel, do streek he sien Steert gröön an.

"In der Lebenswelt gibt es drei Kategorien, das Essbare, das Kopulierbare und das Gefährliche"

"Mir gefällt Ihr Benehmen nicht."
"Macht nichts. Ich verkauf's ja nicht."
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jr
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Re: Immer mehr Autos...

Beitrag von jr »

Wer parkt, fährt nicht. Das ist doch schon mal ein Fortschritt.
Taktikus
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Re: Immer mehr Autos...

Beitrag von Taktikus »

Zu den Kosten kommen beim Autofahren noch solche wie Wertverlust des Fahrzeugs, Versicherungen, Parkplatzkosten in großen Städten etc.

Laut ADAC kostet ein Auto in Schland MINDESTENS 250,00€/Monat bei einer Fahrleistung von 15.000km/Jahr. Eine Monatskarte im Abo für die Stadt Hannover kostet ca. 57,00€, da sind dann noch 193,00€ übrig für große Einkäufe (pro Monat!), die dann locker mit der Taxe erledigt werden können, bei der Ersparnis.

Wohlgemerkt mindestens, damit ist kein Golf gemeint oder n 3-er BMW.
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jr
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Re: Immer mehr Autos...

Beitrag von jr »

Das sind die unsichtbaren Kosten, daher bleiben sie beim Vergleichen durch die Nutzer außen vor. Vollkostenrechnungen wären nur dann für die Wahl PKW vs ÖPNV interessant, wenn sie beim Nachtanken an der Zapfsäule auftauchen würden. Die Autobranche arbeitet allerdings an ähnlichen Strategien wie in der Software- oder Musikbranche: Nutzungs- statt Besitzrechte. Damit ändert sich auch die Zahlungsbasis. Ob es wirklich zu weniger Autos führt, kann ich nicht abschätzen. Mag sein, daß eine kurzzeitige Verfügbarkeit sogar zusätzliche Nutzungen nach sich zieht. Damit würde man Leute aus dem ÖPNV herausziehen.
Taktikus
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Re: Immer mehr Autos...

Beitrag von Taktikus »

Seh ich anders. Wenn man ein Abo in Hannover hat kann man auch günstiger Mitglied bei Stadtmobil werden, das ist der örtliche Carsharing-Anbieter. Dort kann ich für nen Einkauf ein Auto für sagen wir mal 3 Stunden mieten. Die Stunde kostet beim Kleinwagen 2,50€, berechnet werden höchstens 10 Stunden am Tag, und der Kilometer kostet 0,25€ inkl. Benzin. Wenn ich solch eine Möglichkeit habe ist der Besitz eines KFZ völlig unnötig. Ich miete mir ca. 10 mal im Jahr ein Auto, ich denke nicht, daß das im Sinne der Autokonzerne ist. Die vermieten zwar, aber dann für Monate oder Jahre.

Wenn man die Kosten bei Stadtmobil übrigens mal vergleicht mit den Kosten bei Autovermietern (geht natürlich nur bei längeren Zeiträumen und Strecken, da man bei Hertz kein Auto für 3 Stunden bekommt) stellt man fest, daß es keinen Unterschied macht. Ich habe mal verglichen die Anmietung eines Fahrzeugs für den Urlaub nach Usedom für 10 Tage inkl. 1100km, hat zu Hertz um die Ecke keinen Unterschied gemacht (abgesehen davon, daß nach meiner Erfahrung Hertz und Konsorten immer bei Schäden betrügen, z. B. auch damit, daß Schäden bei Abgabe gerne geflissentlich übersehen werden). Daran kann man erkennen, daß den Kalkulationen dieselben Werte zugrundliegen. Carsharing ist also kein Hexenwerk oder Zuschussgeschäft.

Ach ja, ich sehe anders, daß damit Leute aus dem ÖPNV herausgezogen werden. Wenn ich mir für ein seltenes Event wie Urlaub oder Großeinkauf bei Ikea ein Auto mieten kann, daß ich für den Alltag nicht brauche ist das für mich ein Argument für den ÖPNV, nicht gegen.

Kann man die Rechtschreibkorrektur, die nichteinmal ein daß mit ß kennt, irgendwie ausschalten? Das nervt total.
Zuletzt geändert von Taktikus am 18.11.2022, 08:34, insgesamt 1-mal geändert.
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jr
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Re: Immer mehr Autos...

Beitrag von jr »

Die Forensoftware hat keine Rechtschreibprüfung, die ist Teil des Browsers.

Ich kann deine Rechnung nachvollziehen. Aber das ist eben nicht das Kriterium, wonach Fahrer eigener Autos ihr Verkehrsmittel wählen. Sie schauen in erster Linie (um nicht zu sagen: nur) auf den Preis an der Zapfsäule. Fahrer ohne eigenes Auto rechnen da anders oder besser: nachhaltiger.

Das wechselseitige Ersetzen von ÖPNV und anderen Verkehrsmitteln ist komplex. ÖPNV für Null (oder 9 Euro etc) verlagert sicher einen Teil der Verkehrswege von Rad und Fuß auf Bus und Bahn, umweltfreundlich ist das zumindest auf den ersten Blick nicht. Die EKF (die E-Dinger, die überall im Weg stehen) ziehen vielleicht von beiden Seiten ab, aber wohl weniger aus den PKW.

Der Weg vom Besitz zur Nutzung von PKW muß für die Autohersteller nicht zwingend ein Nachteil sein. Entscheidend ist ja nur die Rendite. Der Trend bei den deutschen Herstellern (insbesondere MB) geht Richtung Luxus, also durchaus weniger Autos mit größerer Marge. Der SUV-Hype ist eigentlich nichts anderes. Man macht das Fahrzeug ein kg schwerer und kann dafür deutlich mehr Geld einsacken. Und auch bei den E-Autos erleben wir das gleiche: Die Motoren sind (auch aus technischen Gründen) doppelt so stark wie bisher, also vergleicht man den Preis eines Basis-E-Modells plötzlich mit einer Sportvariante des Benzin-Äquivalents.

Der Trend geht hin zu deutlich teureren Neufahrzeugen. Kleinwagen wie der Fiesta verschwinden, SUV und E-Autos werden mehr. Da die Einkommen der Fiesta-Käufer sich nicht entsprechend entwickeln, dürfte die Auto-Anzahl wohl bald ihren Höhepunkt erreicht haben. Eine Kfz-Steuer nach Gewicht, wie ich sie kürzlich vorgeschlagen habe, wäre da vielleicht sogar kontraproduktiv. Die Menge an Autos wird ja nur sichtbar sinken, wenn "normale" Leute - das ist ja die Masse - weniger oder keine mehr kaufen (können).
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Re: Immer mehr Autos...

Beitrag von Taktikus »

Hm, komisch, Rechtschreibprüfung ist aus, grad kontrolliert, muß ich mal recherchieren
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