Dresden
Verfasst: 11.09.2005, 04:43
Nachwahl: Ex-Richter regt Urnen-Versiegelung an
Azubis der Stadtverwaltung bereiten im Dresdner Rathaus die Bundestagswahl vor.
Berlin (dpa) - Wegen der Bundestags-Nachwahl am 2. Oktober in Dresden wird diskutiert, die Stimmen aller Wähler erst an diesem Tag auszuzählen. So soll eine Verzerrung des Ergebnisses vermieden werden.
Der frühere Bundesverfassungsrichter Ernst Gottfried Mahrenholz regte an, die Wahlurnen nach der Abstimmung am 18. September bundesweit zu versiegeln. Man müsse prüfen, ob dies rechtlich möglich sei, sagte er der «Berliner Zeitung».
Die sächsischen Parteien bereiten derweil für den Wahlkreis 160 (Dresden I) den zweiwöchigen Zusatz-Wahlkampf vor. CDU, SPD und Linkspartei in Sachsen akzeptierten am Samstag eine Veröffentlichung der Ergebnisse der Hauptwahl am 18. September.
Die Abstimmung im Wahlkreis Dresden I musste verschoben werden, weil die NPD-Direktkandidatin gestorben ist. Bei einem knappen bundesweiten Ergebnis könnte Dresden «Zünglein an der Waage» für den Wahlausgang und damit für die Regierungsbildung im Bund sein.
Mahrenholz wandte sich gegen ein mögliches Verschweigen eines bereits ausgezählten Ergebnisses. Er halte es für «aberwitzig», die Auszählungen mehrere Wochen lang unter Verschluss zu halten, sagte er. «Dann schießen Spekulationen ins Kraut. Das wäre die dümmste Konsequenz.»
Auch der Bonner Verfassungsrechtler Josef Isensee und der frühere Präsident des Bundesverfassungsgericht, Ernst Benda, sprachen sich für eine Veröffentlichung des Ergebnisses aus. «Nur im Reiche Utopia lässt sich das Ergebnis geheim halten», sagte Isensee der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag). «Man kann die Bürger am Wahlabend doch nicht behandeln wie die ceylonesischen Tempelaffen - nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.» Benda sagte der «SZ»: «Es lohnt nicht, solche weltfremden Theorien überhaupt zu erörtern.»
Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Wolfgang Bosbach (CDU) plädierte in der «Berliner Zeitung» ebenfalls für eine rasche Veröffentlichung der bundesweiten Ergebnisse. «Eine Verschiebung der Veröffentlichung wäre weltfremd und würde den Interessen der Wähler zuwider laufen», sagte er. Die Dresdner Wähler würden durch die Bekanntgabe des Wahlergebnisses schließlich auch nicht einseitig beeinflusst: «Es wird manche geben, die gerne bei den Siegern sein wollen. Andere werden aber denken: Jetzt erst recht.»
Der Spitzenkandidat der Linkspartei, Gregor Gysi, bezeichnete das Vorgehen als verfassungswidrig. «Da könnten 200 000 Menschen das Gesamtergebnis drehen. Das ist doch bizarr. Denn falls es knapp wird am 18. September, werden diese Wähler sich an dem Ergebnis orientieren. Alles ändert sich, die Mobilisierung, die Präferenzen, die Entscheidungen», sagte Gysi der «Thüringer Allgemeinen».
Artikel vom 10.09.05 16:50
Quelle: WZ
Ich meine, dass das Wahlergebnis vom 18.09. bis zum 02.10. 18 Uhr unter Verschluss bleiben muss - alles andere ist rechtswidrig !
Azubis der Stadtverwaltung bereiten im Dresdner Rathaus die Bundestagswahl vor.
Berlin (dpa) - Wegen der Bundestags-Nachwahl am 2. Oktober in Dresden wird diskutiert, die Stimmen aller Wähler erst an diesem Tag auszuzählen. So soll eine Verzerrung des Ergebnisses vermieden werden.
Der frühere Bundesverfassungsrichter Ernst Gottfried Mahrenholz regte an, die Wahlurnen nach der Abstimmung am 18. September bundesweit zu versiegeln. Man müsse prüfen, ob dies rechtlich möglich sei, sagte er der «Berliner Zeitung».
Die sächsischen Parteien bereiten derweil für den Wahlkreis 160 (Dresden I) den zweiwöchigen Zusatz-Wahlkampf vor. CDU, SPD und Linkspartei in Sachsen akzeptierten am Samstag eine Veröffentlichung der Ergebnisse der Hauptwahl am 18. September.
Die Abstimmung im Wahlkreis Dresden I musste verschoben werden, weil die NPD-Direktkandidatin gestorben ist. Bei einem knappen bundesweiten Ergebnis könnte Dresden «Zünglein an der Waage» für den Wahlausgang und damit für die Regierungsbildung im Bund sein.
Mahrenholz wandte sich gegen ein mögliches Verschweigen eines bereits ausgezählten Ergebnisses. Er halte es für «aberwitzig», die Auszählungen mehrere Wochen lang unter Verschluss zu halten, sagte er. «Dann schießen Spekulationen ins Kraut. Das wäre die dümmste Konsequenz.»
Auch der Bonner Verfassungsrechtler Josef Isensee und der frühere Präsident des Bundesverfassungsgericht, Ernst Benda, sprachen sich für eine Veröffentlichung des Ergebnisses aus. «Nur im Reiche Utopia lässt sich das Ergebnis geheim halten», sagte Isensee der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag). «Man kann die Bürger am Wahlabend doch nicht behandeln wie die ceylonesischen Tempelaffen - nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.» Benda sagte der «SZ»: «Es lohnt nicht, solche weltfremden Theorien überhaupt zu erörtern.»
Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Wolfgang Bosbach (CDU) plädierte in der «Berliner Zeitung» ebenfalls für eine rasche Veröffentlichung der bundesweiten Ergebnisse. «Eine Verschiebung der Veröffentlichung wäre weltfremd und würde den Interessen der Wähler zuwider laufen», sagte er. Die Dresdner Wähler würden durch die Bekanntgabe des Wahlergebnisses schließlich auch nicht einseitig beeinflusst: «Es wird manche geben, die gerne bei den Siegern sein wollen. Andere werden aber denken: Jetzt erst recht.»
Der Spitzenkandidat der Linkspartei, Gregor Gysi, bezeichnete das Vorgehen als verfassungswidrig. «Da könnten 200 000 Menschen das Gesamtergebnis drehen. Das ist doch bizarr. Denn falls es knapp wird am 18. September, werden diese Wähler sich an dem Ergebnis orientieren. Alles ändert sich, die Mobilisierung, die Präferenzen, die Entscheidungen», sagte Gysi der «Thüringer Allgemeinen».
Artikel vom 10.09.05 16:50
Quelle: WZ
Ich meine, dass das Wahlergebnis vom 18.09. bis zum 02.10. 18 Uhr unter Verschluss bleiben muss - alles andere ist rechtswidrig !